Funktionelle und Dissoziative Neurologische Symptome : Patientenführer -Deutsch

Hemi

Untersuchungen

Häufig fragen sich Patienten mit funktionellen Symptomen ob ihre Diagnose richtig ist. Lesen Sie die Seite "Fehldiagnose?" um mehr darüber herauszufinden.

Diese Seite über Untersuchungen befindet sich im Abschnitt Behandlung, da viele Patienten irritiert sind, was die Ergebnisse ihrer Untersuchungen tatsächlich zeigen. Der Arzt hat vielleicht gewisse "Abnormalitäten" festgestellt, welche man im richtigen Kontext sehen sollte:

1. Marklagerveränderungen/ Signalveränderungen/ punktförmige Veränderungen / Mikroangiopathie im MRT

Das Vorhandensein von punktförmigen Marklagerveränderungen im MRT verursacht häufig große Verwirrung. Diese haben noch zahlreiche andere Namen wie Signalveränderungen oder mikroangiopathische Veränderungen.

Diese weißen Punkte entstehen zunehmend mit steigendem Alter bei Gesunden. Grob geschätzt ist ein weißer Punkt pro Dekade normal. Wenn Sie 35 jahre alt sind, können Sie 3-4 Punkte haben, mit 55 vieleicht 5 oder 6. Wenn Sie einmal über 60 sind, werden Sie wahrscheinlich mehr haben. Es ist in etwa so wie mit grauen Haaren.

Die Wahrscheinlichkeit, punktförmige Veränderungen zu haben, steigt, wenn Sie Raucher sind oder einen hohen Blutdruck haben. Auch Migräne oder Depression können diese Veränderungen begünstigen.

Problematisch wird es, wenn diese Veränderungen bei jemandem auftreten, der eine Lähmung oder ein Taubheitsgefühl hat, und der Verdacht auf eine Multiple Sklerose (MS) geäussert wird.

MS wird zum Teil diagnostiziert, wenn man viele Signalveränderungen im Gehirn findet (jedoch an charakteristischen Stellen im Gehirn, nicht dort wo sich die normalen altersabhängigen "Punkte" befinden). Der Radiologe kann sich klar ausdrücken, und feststellen, dass hier altersabhängige Veränderungen bestehen oder in seinem Befund offen lassen, ob das Bild abnormal ist oder nicht.

Manchmal sind sich alle Radiologen unsicher, ob ein bestimmtes MR-Bild normal ist. Manchmal sieht ein Radiologe ein Bild als normal an, ein anderer ist sich darüber nicht sicher.

Manchmal muß man eine Lumbalpunktion durchführen um Hinweise für eine Entzündung im Nervensystem nachzuweisen.

2. Abnormalitäten im MRT der Wirbelsäule

Weitere Unsicherheit kann entstehen, wenn ein MR der Wirbelsäule zur Abklärung der Symptome durchgeführt wird.

Wie "punktförmige Marklagerveränderungen", gibt es auch altersabhängige Veränderungen im MRT der Wirbelsäule.

Ab dem 40 Lebensjahr bestehen praktisch bei allen Menschen "degenerative Wirbelsäulenveränderungen". Studien haben gezeigt, dass Patienten mit sogar hochgradigen Veränderungen häufig keine Symptome haben.

Der Großteil der Patienten mit Rückenschmerzen hat jedoch keine klare strukturelle Veränderung, welche die Schmerzen erklären könnte.

Oft kommt ein MRT- Befund mit alarmierenden Sätzen wie "degenerative Veränderungen", Spondylose", "Bandscheibenvorwölbungen" oder "Osteophytenbildung" zurück. Alle diese Dinge implizieren eine abnormale, geschädigte Wirbelsäule, wobei diese Veränderungen, abhängig vom Schweregrad, völlig normal für Ihr Alter sein können.

Die wichtigste Frage ist, ob eine Nervenwurzel oder das Rückenmark bedrängt wird. Sogar das kann manchmal kompliziert sein. Sehr oft finden sich oft auch bei symptomfreien Patienten schwerwiegende Veränderungen im MRT.

Viele Patienten (und Ärzte) denken, daß das MRT die Diagnose stellen kann. Dies ist nicht nur sehr selten, sondern oft kann ein Befund mit normalen oder leichtgradigen Veränderungen dem Patienten eher schaden, da der Eindruck eines körperlichen Schadens mit wenig Chance auf Verbesserung zurückbleibt.

3. Elektroenzephalographie

Patienten mit Blackouts werden zum EEG geschickt um die Ursache herauszufinden. Das EEG ist ein Test, welcher, wenn richtig eingesetzt sehr hilfreich sein kann. Es kann aber auch sehr irreführend sein.

Einfach ausgedrückt, können viele Epilepsiepatienten ein normales EEG haben (wenn es nicht gerade während eines Anfalls abgeleitet wird)

Viele Patienten mit dissoziativen Anfällen (und auch ein großteil der Bevölkerung) können subtile Abnormalitäten im EEG haben, die irrelevant sind. Manchmal können sie ein deutlich abnormales EEG haben ohne während dem Test einen Anfall zu haben. Auch das bedeutet nicht, daß sie Epilepsie haben.

Um mittels EEG eine Epilepsie sicher diagnostizieren zu können, muß die Person während dem EEG einen Anfall haben. Dies ist meistens nicht machbar sodass Epilepsie (und dissoziative Anfälle) weiterhin auf Basis der Anamnese vom Patienten und Beobachtern diagnostiziert wird.

Bilder folgen...