Funktionelle und Dissoziative Neurologische Symptome : Patientenführer -Deutsch

 

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Komplex Regionales Schmerzsyndrom

Als Komplex regionales Schmerzsyndrom bezeichnet man Schmerzen in einer oder in mehreren Gliedmaßen, welche in verschiedensten Situationen auftreten können, vor allem nach Verletzungen einschließlich Verbrennungen. Es kann durch geringfügige Weichteilverletzungen oder z.B. bei einem Karpaltunnelsyndrom auftreten.

 

Das Komplex regionale Schmerzsyndrom (CRPS) wurde früher Sympathische Reflexdystrophie genannt. Diese  Bezeichnung wird jetzt nicht mehr verwendet, da bei dieser Erkrankung nicht nur das sympathische Nervensystem betroffen ist.

 

CRPS Typ 1 tritt auf ohne Vorhandensein einer Nervenschädigung.

CRPS Typ 2 wird als das gleiche Syndrom definiert bei Patienten mit einer Nervenverletzung.

 

CRPS Typ 1 wird von der Internationalen Schmerzgesellschaft wie folgt definiert (siehe untenstehend eine Erläuterung zu diesem Syndrom).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Manche Menschen entwickeln Schmerzen in einer Gliedmaße ohne viel Schwellung oder Hautveränderungen, sodass hier eine ständige Diskussion entsteht, ob diese Patienten CRPS haben oder nicht. Wenn nicht, haben sie jedoch etwas sehr ähnliches und benötigen wahrscheinlich eine ähnliche Therapie.

 

CRPS ist eine komplizierte Angelegenheit, welcher man auf dieser Seite nicht gerecht werden kann. Für mehr Hintergrundinformation zu dieser Thematik, inklusive der Diskussion über die zahlreichen ungelösten Fragen beim Komplex regionalen Schmerzsyndrom I, würde ich empfehlen, den oben genannten Artikel downzuloaden.

 

Einige Leute wundern sich wahrscheinlich, was CRPS auf einer Homepage für Patienten mit funktionellen Symptomen zu tun hat. Der Grund dafür ist:

 

1. Weil es eine behindernde aber echte neurologische Erkrankung ist, welche in Abwesenheit von leicht definierbaren strukturellen Gewebsschädigungen auftritt.

 

2. Viele Patienten mit CRPS haben Gefühlsstörungen (welche nicht durch die Erkrankung erklärbar sind und Ähnlichkeiten mit funktionellen sensorischen Symptomen aufweisen)

 

3. Patienten mit CRPS verspüren meistens eine Schwäche einer Gliedmaße, häufig mit dissoziativen Eigenschaften. Sie haben zum Beispiel das Gefühl, ihr Arm oder Bein würde nicht zu ihnen gehören. Wenn man den Körperteil untersucht, ist die Lähmung nicht unterscheidbar davon, was man bei funktionellen Lähmungen sieht. Gelegentlich entwickeln Patienten mit CRPS eine Bewegungsstörung, meist eine fixierte Dystonie. Die fixierte Dystonie ist auch häufig mit einer banalen Verletzung assoziiert.

 

4. Der wichtigste sich immer fortsetzende Faktor bei ihrem CRPS ist für manche Patienten Immobilität und Vermeidung von Bewegung.  Das ist nicht überraschend, da das CRPS ein sehr schmerzhafter Zustand ist. Es kann jedoch auch der Fall sein, daß je weniger man den Körperteil bewegt, umso schmerzhafter wird es, und umso weniger wird er weiter bewegt, etc.

 

Mehr dazu finden Sie auf der Schmerz Seite und auf der Physiotherapie Seite.

 

Patienten mit CRPS haben zweifelsohne biologische Veränderungen, diese bestehen aber bei Patienten mit funktionellen Symptomen ebenso. Sie dürften daher mehr gemeinsam haben als bisher angenommen.

 

Es gibt viele potentielle medikamentöse Therapien und Interventionen, die wirkungsvollste Behandlung bleibt jedoch eine Steigerung der Aktivität.

 

CRPS Definition: Ein Syndrom, welches nach einem schädigenden Ereignis auftritt, nicht auf ein peripheres Nervenausbreitungsgebiet beschränkt ist, und nicht im Verhältnis zur Verletzung steht. Es ist irgendwann im Verlauf mit Ödem, Veränderungen der Hautdurchblutung, abnormer sudomotorischer Aktivität im schmerzenden Areal oder Allodynie und Hyperalgesie assoziiert.

 

Diagnosekriterien (2–4 müssen erfüllt sein):

 

1. Das Vorliegen einer initialen Verletzung oder der Zustand einer Ruhigstellung.

 

2. Weiterbestehende Schmerzen, Allodynie, oder Hyperalgesie, welche nicht im Verhältnis zum auslösenden Geschehen stehen.

 

3. Irgendwann im Verlauf Auftreten von Ödem, Veränderungen der Hautdurchblutung, oder abnorme sudomotorische Aktivität im schmerzenden Areal.

 

4. Die Diagnose wird ausgeschlossen beim Vorhandensein von sonstigen Erkrankungen, welche das Schmerzausmaß und die Funktionsstörung erklären würde.

 

Fachausdrücke:

Ödem - Schwellung

Sudomotorische Aktivität- beschreibt Veränderungen der Hautfarbe oder der Hautdurchblutung

Allodynie - beschreibt ein Schmerzempfinden auf einen normalerweise nicht schmerzhaften Reiz. Z. B. wenn das Berühren der Haut durch die Bettdecke als schmerzhaft empfunden wird.

Hyperalgesie - gesteigertes Schmerzempfinden auf normalerweise schmerzhafte Reize.

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